Dieser Artikel ist zur Veröffentlichung in der Ausgabe 5 - September / Oktober der gedruckten Kommunalwirtschaft vorgesehen.

Rubrik Wasser / Abwasser

Österreichs größter Trinkwasserspeicher im Coilverfahren

Melk: Mit Edelstahl für die Zukunft der Trinkwasserversorgung gerüstet

10.09.2026 – Lesezeit ca. 5 Minuten 46

Zukunftssichere Trinkwasserreserve: Zwei von Forstenlechner im Coilverfahren errichtete Edelstahlbehälter mit jeweils 1.500 Kubikmetern Fassungsvermögen sichern Melk zusätzliche Reserven für die Trinkwasserversorgung. (Bild: Forstenlechner)

Mit zwei neuen Edelstahlbehältern von Forstenlechner und insgesamt 3.000 Kubikmetern Speichervolumen hat die Stadt Melk ihre Trinkwasserversorgung langfristig abgesichert. Mit dem neuen Hochbehälter Wachberg entstand zugleich ein Projekt der Superlative: Laut Forstenlechner handelt es sich um den größten Trinkwasserspeicher Österreichs, der im Coilverfahren realisiert wurde. Der außergewöhnlich trockene Sommer 2026 lieferte bereits den ersten Praxistest.

Ein heißer, niederschlagsarmer Sommer, deutlich höhere Wasserverbräuche und mehrere Feld- und Waldbrände rund um Melk an der Donau: Schon rund ein Jahr nach Inbetriebnahme musste sich der neue Hochbehälter am Wachberg unter anspruchsvollen Bedingungen bewähren. Herzstück der neuen Trinkwasserversorgung in Melk sind zwei von der Forstenlechner GmbH errichtete Edelstahlbehälter mit jeweils 1.500 Kubikmetern Fassungsvermögen. Sie schaffen auch jene zusätzlichen Reserven, die die Stadt am westlichen Eingang zur Wachau gerade in diesem außergewöhnlichen Sommer benötigte. „Wir hatten über die Sommermonate rund ein Drittel mehr Tageswasserverbrauch als im Durchschnitt der letzten Jahre. Dazu kam es durch mehrere Feld- und Waldbrände zu hohen Löschwasserbedarfen. Das große Speichervolumen war hier sehr hilfreich“, berichtet Helmut Steffek, leitender Wassermeister der Stadt Melk. Wassersparaufrufe an die Bevölkerung waren trotz der außergewöhnlichen Situation nicht notwendig.

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Dass Melk auch bei solchen Belastungsspitzen über ausreichende Reserven verfügt, ist vor allem der deutlich größeren Dimensionierung des neuen Hochbehälters zu verdanken. Statt bisher 600 Kubikmetern können nun insgesamt 3.000 Kubikmeter Trinkwasser gespeichert werden. Dafür realisierte Forstenlechner zwei freistehende Edelstahltanks mit jeweils 15 Metern Durchmesser und neun Metern Höhe, inklusive Verrohrung und technischer Ausstattung. Rund 20 Tonnen Edelstahl wurden pro Behälter verarbeitet.

Mit seinen zusätzlichen Reserven hat sich der neue Hochbehälter am Wachberg bereits im außergewöhnlich trockenen Sommer 2026 bei hohen Verbrauchsspitzen und zusätzlichem Löschwasserbedarf bewährt. (Bild: Forstenlechner)i

Größter Trinkwasserspeicher Österreichs im Coilverfahren

Eine Besonderheit ist die Fertigung im Coilverfahren. Die Edelstahlcoils werden direkt zur Baustelle transportiert und die Behälter weitgehend vor Ort errichtet. Nur Komponenten wie Teile der Dächer oder Geländer werden im Forstenlechner-Werk vorgefertigt. Das Verfahren ermöglicht die Realisierung besonders großer Behälter mit weniger Schweißnähten. In Melk entstand damit laut Forstenlechner der größte Trinkwasserspeicher Österreichs, der bislang im Coilverfahren umgesetzt wurde.

Die Größe des neuen Hochbehälters ist dabei kein Selbstzweck. Er ist zentraler Bestandteil der Trinkwasserversorgung für rund 7.000 Einwohner in Melk und den umliegenden Katastralgemeinden sowie für wichtige Einrichtungen wie Krankenhaus, Pflegeheim und Kaserne. Zwei Brunnen fördern das Wasser zum Hochbehälter am Wachberg, von dort gelangt es im freien Gefälle ins Ortsnetz. Bei einem durchschnittlichen Tagesbedarf von rund 1.500 Kubikmetern kann mit den insgesamt 3.000 Kubikmetern Speichervolumen etwa der zweifache durchschnittliche Tagesverbrauch bevorratet werden. Diese Reserve schafft vor allem Sicherheit: bei hohen Verbrauchsspitzen und Trockenperioden ebenso wie bei Löschwassereinsätzen, Stromausfällen oder dem Ausfall eines Brunnens.

Herausforderungen durch Trockenheit und Extremereignisse

Wie schnell zusätzliche Reserven in der Trinkwasserversorgung entscheidend werden können, hat Melk innerhalb weniger Jahre gleich mehrfach erlebt. Beim Hochwasser 2024 fiel noch während des Baus des neuen Hochbehälters der leistungsstärkere der beiden Brunnen aufgrund überfluteter Strominfrastruktur aus. Im Sommer 2026 folgte das andere Extrem: Eine monatelange Trockenperiode ließ den Wasserbedarf deutlich steigen. An Spitzentagen wurden in Melk bis zu 4.000 Kubikmeter Trinkwasser benötigt. Gleichzeitig musste bei mehreren Feld- und Waldbränden innerhalb kurzer Zeit zusätzlich Löschwasser bereitgestellt werden. „Wir sind sehr froh darüber, dass wir uns mit dem neuen Behälter auf diese Entwicklung vorbereitet haben und gut gerüstet sind, sollten solche Situationen in Zukunft häufiger auftreten“, so Steffek.

Das zusätzliche Speichervolumen unterstützt zudem einen energieoptimierten Betrieb. Die Pumpen der beiden Brunnen werden teilweise mit Strom aus eigenen Photovoltaikanlagen betrieben. Bei entsprechender PV-Produktion kann gezielt mehr Wasser in den Hochbehälter gefördert und dort für Zeiten geringerer Stromproduktion bevorratet werden. Wasserförderung, Speicherung und Energieerzeugung lassen sich so gezielt aufeinander abstimmen.

Edelstahl als langfristige Investition

Zukunftssicherheit bedeutet bei der Trinkwasserversorgung allerdings nicht nur, ausreichend Speichervolumen für Trockenperioden und Verbrauchsspitzen vorzuhalten. Ebenso entscheidend ist, welche Infrastruktur dafür errichtet wird und wie sie sich über ihren gesamten Lebenszyklus bewährt. Für Forstenlechner spielt deshalb die Wahl des Speichermaterials eine zentrale Rolle.

„Edelstahl ist langlebig, hygienisch, wartungsarm und sehr gut zu reinigen. Nicht ohne Grund ist das Material in der Lebensmittel-, Pharma- und Chemieindustrie seit Jahrzehnten Standard. Bei der Trinkwasserspeicherung setzen wir in Österreich dagegen noch vielfach auf Beton, während Edelstahl etwa in Deutschland bereits wesentlich stärker etabliert ist“, erklärt Geschäftsführer Paul Forstenlechner. Gerade angesichts des hohen Investitionsbedarfs in der kommunalen Wasserinfrastruktur müsse der gesamte Lebenszyklus stärker in den Mittelpunkt rücken: „Wir müssen bei solchen Investitionen über Jahrzehnte denken. Entscheidend ist nicht nur, was ein Behälter heute kostet, sondern welche Kosten er über seine gesamte Lebensdauer verursacht.“

Reinigung auf Knopfdruck

Wie konsequent die Forstenlechner-Lösung auf einen langfristig wartungsarmen Betrieb ausgelegt ist, zeigt eine weitere Besonderheit der beiden Behälter in Melk: das fest integrierte Reinigungssystem. Statt den Trinkwasserbehälter für die Säuberung betreten zu müssen, werden die Innenflächen automatisiert mit Wasserstrahlen gereinigt. Auf chemische Mittel kann dabei verzichtet werden. Gleichzeitig sinkt das Risiko, durch das Betreten Verunreinigungen in den Trinkwasserspeicher einzubringen. Damit verbindet die Lösung in Melk hohe Versorgungssicherheit mit einem auf langfristigen und wartungsarmen Betrieb ausgelegten Speichersystem.

Für Paul Forstenlechner ist das Projekt deshalb auch ein Beispiel dafür, wie anstehende Investitionen in die Trinkwasserversorgung gedacht werden sollten: nicht nur für den aktuellen Bedarf, sondern für Jahrzehnte. Gerade angesichts zunehmender Trockenperioden und möglicher Extremereignisse braucht es ausreichende Reserven und langlebige Infrastruktur. In Melk hat bereits der erste außergewöhnliche Sommer gezeigt, welchen Unterschied eine vorausschauend dimensionierte Trinkwasserinfrastruktur in der Praxis machen kann.

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