Rubrik Bau(en) & Städtegestaltung
29.09.2026 – Lesezeit ca. 5 Minuten 96
Die Easyblock-Elemente wurden auf einem vorbereiteten Untergrund mit dem Bagger aufgenommen und exakt positioniert. (Bild: easy block GmbH)
Wenn Verkehrswege in hügeligem Gelände verbreitert werden sollen, stellt sich für Planer und Ausführende häufig dieselbe Frage: Wohin mit dem zusätzlichen Platzbedarf? Muss eine Böschung zurückgebaut werden, sind umfangreiche Erdarbeiten erforderlich. Gleichzeitig darf das Erdreich nicht unkontrolliert nachrutschen und die vorhandene Infrastruktur sollte während der Bauarbeiten möglichst weiter funktionieren. Je nach Geländesituation kommen dafür unterschiedliche Lösungen infrage – von klassischen Ortbetonstützwänden über Winkelstützelemente bis hin zu bewehrten Erdkonstruktionen oder modularen Fertigteil-Systemen. Beim Ausbau des Geh- und Radweges zwischen Leoben und Niklasdorf in der österreichischen Steiermark fiel die Entscheidung auf eine Lösung, die insbesondere durch ihre modulare Bauweise und die schnelle Montage überzeugt: Auf einer Länge von mehr als 400 Metern hält seit Mitte 2025 eine Stützmauer aus Easyblock-Betonelementen die bestehende Böschung zurück. Damit konnte der vorhandene Verkehrsraum erweitert werden, ohne die Böschung aufwendig und großflächig abzutragen.
Der rund 650 Meter lange Abschnitt an der B 116 zwischen Leoben und Niklasdorf war zuvor mit einem lediglich 1,5 bis 2,0 Meter breiten kombinierten Geh- und Radweg ausgestattet. Aus Sicherheitsgründen und da die Strecke Bestandteil des überregionalen Murradweges und der Hauptradroute 1 des Radverkehrskonzepts Großraum Leoben ist, entschieden die Verantwortlichen, den Weg auf drei Meter zu verbreitern, zuzüglich eines etwa ein Meter breiten Schutzstreifens zur stark befahrenen Bundesstraße. Die Rahmenbedingungen für die bauliche Umsetzung unmittelbar neben der stark befahrenen B 116 waren allerdings anspruchsvoll, denn für die notwendige Verbreiterung musste aufgrund der Topographie in geringem Umfang in den Hang eingegriffen werden. Statt dies mit Ortbeton oder Winkelstützen zu lösen, entschieden sich die Planer für eine Stützkonstruktion aus Fertigteil-Betonblöcken.
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Zum Einsatz kam das Easyblock-System der TIBA Austria GmbH. Das System, das ebenso einfach wie wirkungsvoll ist, besteht aus insgesamt 23 optimierten Betonblocktypen, die nicht vermörtelt oder miteinander vergossen, sondern mithilfe eines Nut- und Federsystems Stein für Stein übereinandergesetzt werden. Aufgrund ihres hohen Eigengewichts wirken die Elemente als Schwergewichtsmauer. Da die Bauteile zudem frost- und tausalzwiderstandsfähig sind, sind sie für den Einsatz im Infrastruktur- und Straßenbau ideal geeignet. Polier Robert Raudner von der HTL Bau Hoch- u. Tiefbau GmbH aus Lebring schildert die Vorteile: „Für diese Baustelle brachte das System einen wesentlichen Vorteil mit sich: Wo eine konventionelle Stützwand zunächst betoniert werden müsste und entsprechende Aushärtungs- und Schalungsarbeiten erforderlich wären, konnten wir die Easyblock-Fertigteile direkt versetzen. Die Montage der 1500 bis zu 1080 kg schweren Elemente erfolgte trocken und ohne Mörtel. Die Bauteile wurden lediglich auf einem vorbereiteten Untergrund mit dem Bagger aufgenommen und exakt positioniert. Das hat den Bauablauf deutlich vereinfacht“, so Robert Raudner.
Eine besondere Stärke des Systems liegt auch in seiner Modularität. Neben Standardblöcken stehen unterschiedliche Elementtypen zur Verfügung, mit denen sich auch Ecken, Kurven und Abstufungen herstellen lassen. Dadurch kann sich die Stützmauer an den vorhandenen Geländeverlauf anpassen. Hierzu Robert Raudner: „Wir hatten es hier nicht mit einer idealen, geraden Einbausituation zu tun. Die Konstruktion musste sich an die vorhandenen Gegebenheiten anpassen. Genau darin liegt ein großer Vorteil vom System Easyblock: Mit den verschiedenen Elementen lassen sich auch Kurven und unterschiedliche Höhen unkompliziert ausbilden.“ Auch bei der Planung bietet das System eine hohe Flexibilität. Stützmauern bis zu einer Höhe von 5,6 Metern können anhand geprüfter Regelstatiken und vorgefertigter Aufbauschemata geplant werden. Für größere Bauhöhen – auch von 10 Metern und mehr – sind individuelle Projektstatiken möglich. Je nach Anforderung kann die Konstruktion als Schwergewichtsmauer oder Geogittermauer nach Eurocode 7 ausgeführt werden. Dabei sind sowohl eine Neigung von 3,6 Grad als auch eine vertikale Bauweise möglich. Dadurch lässt sich das System auf unterschiedliche Geländesituationen und statische Anforderungen abstimmen. Auch schon in der Planungsphase hat die modulare Bauweise Vorteile geboten: „Mit Hilfe eines Konfigurators konnten wir die erforderliche Anzahl der Elemente bereits im Vorfeld ermitteln. Es kamen hier insgesamt 11 Betonblocktypen zum Einsatz, wodurch sich der Materialbedarf frühzeitig festlegen und der Bauablauf entsprechend vorbereiten lies“, erklärt Robert Raudner.
Neben den technischen Eigenschaften spielt bei einer Stützkonstruktion im Landschaftsraum auch die optische Wirkung eine wichtige Rolle. Die Easyblock-Elemente verleihen der Mauer durch ihre blockartige, natursteinähnliche Struktur ein besonders naturnahes Erscheinungsbild. Im Vergleich zu einer klassischen, glatt ausgeführten Betonwand wirkt die Oberfläche bewusst weniger technisch und fügt sich dadurch harmonisch in das vorhandene Gelände ein. Gerade entlang des Radweges, der durch die hügelige und landschaftlich geprägte Umgebung führt, entsteht so ein stimmiges Gesamtbild. Robert Raudner bemerkt: „Mit zunehmender Begrünung des Böschungsbereichs wird die Konstruktion optisch zudem weiter in den Hintergrund rücken. Die Stützmauer erfüllt damit nicht nur ihre statische Funktion, sondern trägt zugleich dazu bei, den Eingriff in das Landschaftsbild möglichst zurückhaltend zu gestalten.“
Dass die Maßnahme über den konkreten Bauabschnitt hinaus Bedeutung besitzt, zeigt auch die Einreichung beim „VCÖ – Mobilität mit Zukunft“. Die Stadtgemeinde Leoben hat das Projekt „Verbesserung & Attraktivierung des Radverkehrs in Leoben“ 2025 beim VCÖ eingereicht. Der VCÖ ist eine gemeinnützige und unabhängige Umweltorganisation und führt die Maßnahme in seiner Datenbank als vorbildhaftes Mobilitätsprojekt. Die Maßnahme zeigt exemplarisch, welche Bedeutung intelligenten Stützkonstruktionen bei Infrastrukturprojekten zukommt. Wo die vorhandene Topografie den Ausbau begrenzt, entscheidet die Wahl des Systems wesentlich darüber, wie aufwendig Eingriffe in den Bestand, Bauablauf und Verkehrsführung werden. Mit der Easyblock-Stützmauer wurde eine Lösung realisiert, die statische Anforderungen, flexible Anpassung an den Geländeverlauf und eine schnelle Montage miteinander verbindet. Die modulare Fertigteilbauweise ermöglicht dabei einen zügigen Baufortschritt, ohne auf die für eine dauerhafte Infrastruktur erforderliche Stabilität und Belastbarkeit zu verzichten. So entstand aus einer anspruchsvollen Situation am Hang eine leistungsfähige neue Verkehrsverbindung – und damit ein weiterer Baustein für einen attraktiven und sicheren Radverkehr im Großraum Leoben.