Dieser Artikel ist zur Veröffentlichung in der Ausgabe 6 - November / Dezember 2026 der gedruckten Kommunalwirtschaft vorgesehen.

Rubrik Energie & Netze

Photovoltaik auf kommunalen Dächern strategisch ausbauen

Von Linus Goericke, Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in der Agentur für kommunalen Klimaschutz am Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) – 28.10.2026 – Lesezeit ca. 7 Minuten 48

Bild: Pexels License / Vladimir Srajber

Viele kommunale Dächer bieten gute Voraussetzungen für Photovoltaikanlagen. Wer geeignete Dachflächen systematisch erfasst, Photovoltaikprojekte sinnvoll priorisiert und Zuständigkeiten für die Umsetzung früh klärt, kann Energiekosten senken und den Ausbau erneuerbarer Energien voranbringen.

Photovoltaik (PV) hat für den Ausbau der erneuerbaren Energien weiter an Bedeutung gewonnen. Nach Zahlen des Umweltbundesamts erzeugten PV-Anlagen in Deutschland 2025 insgesamt rund 92,2 Terawattstunden Strom – über 22 Prozent mehr als im Vorjahr. Zugleich stieg die installierte PV-Leistung um rund 17 Prozent. Die neu installierte Leistung entfiel dabei zu etwa gleichen Teilen auf Gebäude- und Freiflächenanlagen.

Auch Kommunen können den PV-Ausbau voranbringen. Dafür eignen sich vor allem ungenutzte Dachflächen auf ihren eigenen Liegenschaften. Häufig kann der erzeugte Strom direkt vor Ort genutzt werden. Für den Ausbau infrage kommen zum Beispiel Dächer von Schulen, Verwaltungsgebäuden, Sporthallen, Bauhöfen oder Kläranlagen.

Vom einzelnen Dach zur kommunalen PV-Strategie

Wer kommunale Dächer systematisch nutzen will, sollte jedoch nicht nur von Dach zu Dach denken. Sinnvoller ist es, den Gebäudebestand als Ganzes zu betrachten: Welche Flächen eignen sich gut? Welche Projekte lassen sich kurzfristig umsetzen, welche erst nach einer Sanierung? Wo passen Stromerzeugung und -verbrauch zusammen? Und wer soll die Anlagen finanzieren und betreiben?

Genau hier setzt die Agentur für kommunalen Klimaschutz an. Für die Planung und Umsetzung kommunaler PV-Projekte hat sie zwei Arbeitshilfen entwickelt: das How-to „Photovoltaik auf kommunalen Dächern“ und die Klima-Maßnahmen-Box „Kommunale Photovoltaik-Strategie entwickeln und umsetzen“. Das How-to richtet sich an Kommunen, die PV-Anlagen auf eigenen Dächern realisieren wollen, und behandelt die zentralen Schritte von der Auswahl geeigneter Flächen bis zum Betrieb der Anlagen. Die Klima-Maßnahmen-Box ergänzt diese Projektebene um die strategische Perspektive, wobei der kommunale PV-Ausbau in fünf Schritte gegliedert wird: 1) Potenziale ermitteln, 2) Ziele und Schwerpunkte definieren, 3) die Strategie politisch verankern und Umsetzungsmodelle finden, 4) die Strategie umsetzen und Wertschöpfung generieren sowie 5) weitere Möglichkeiten sondieren und Erfolge sichtbar machen.

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Bild: Unsplash License/ Benjamin Jopen

Potenziale ermitteln

Am Anfang steht eine Bestandsaufnahme: Solardachkataster, Luftbilder und vorhandene Gebäudedaten liefern erste Hinweise darauf, welche kommunalen Dächer sich grundsätzlich für PV-Anlagen eignen. Eine große und gut besonnte Dachfläche allein reicht aber noch nicht aus. Kommunen sollten einheitliche Eignungskriterien festlegen und ihre Dächer danach priorisieren. Dazu gehören Ausrichtung und Verschattung, verfügbare Fläche und Statik ebenso wie Dachzustand, etwaig anstehende Sanierungen oder Anforderungen des Denkmalschutzes. Zur technischen Prüfung gehören außerdem die elektrische Anbindung sowie Platz für Wechselrichter, Zähler und Anschlussleitungen. Als grober Richtwert können für ein Kilowattpeak installierter Leistung etwa fünf bis sieben Quadratmeter Modulfläche angesetzt werden.

Dachsanierung und PV-Ausbau gehören deshalb in eine gemeinsame Planung. Denn muss ein Dach bereits wenige Jahre nach Installation saniert werden, entstehen Mehrkosten. Umgekehrt kann eine geplante Sanierung zum Anlass genommen werden, um im gleichen Zuge PV-Anlagen zu installieren.

Wie wichtig diese Prüfung ist, zeigt die Stadt Bonn: Dort untersuchte das Städtische Gebäudemanagement 2024 zunächst 200 Dächer aus einem Bestand von rund 870 kommunalen Gebäuden. 43 galten unmittelbar als geeignet, bei weiteren waren individuelle Prüfungen nötig. Entscheidend ist unter anderem die Restlebensdauer des Daches: Für einen wirtschaftlichen Betrieb der PV-Anlage sollte sie mindestens zwanzig Jahre betragen.

Inzwischen wurden in Bonn auf kommunalen Gebäuden sechzig PV-Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund 2,7 Megawatt installiert. Sie erzeugen jährlich etwa 2,5 Millionen Kilowattstunden Solarstrom und sparen rund 880 Tonnen CO₂ pro Jahr ein. Den Strom nutzt die Stadt direkt in ihren Gebäuden und senkt so ihre Stromkosten.

Neben den baulichen Voraussetzungen der Gebäude ist auch das Stromverbrauchsprofil ausschlaggebend. Schulen und Verwaltungsgebäude etwa eignen sich besonders gut für PV-Anlagen, weil sie viel Strom tagsüber verbrauchen – also genau dann, wenn die Anlagen Strom produzieren. Je besser Stromerzeugung und Verbrauch zeitlich zusammenpassen, desto mehr Solarstrom kann die Kommune selbst nutzen. Das verbessert in der Regel auch die Wirtschaftlichkeit der Anlage. Zu berücksichtigen ist auch, dass Wärmepumpen oder Ladeinfrastruktur für E-Autos den Strombedarf erhöhen und beeinflussen, wann der Strom benötigt wird. Eine PV-Strategie sollte deshalb Wärmeversorgung, Energiemanagement und Fuhrpark mitdenken.

Ziele und Schwerpunkte definieren

Eine Strategie entsteht, wenn die Kommune aus der Bestandsaufnahme konkrete Ziele ableitet und diese mit Maßnahmen hinterlegt. Statt einfach „mehr Photovoltaik“ anzustreben, sollte sie festlegen, welche Liegenschaften sie in welchem Zeitraum mit PV-Anlagen ausstatten will und welchen Ausbau sie in den kommenden Jahren erreichen möchte. Ein mehrjähriger Ausbauplan schafft Orientierung. Kurzfristig umsetzbare Projekte können den Anfang machen, längerfristige Vorhaben werden entsprechend eingeplant. So entsteht aus einer Liste potenzieller Dachflächen ein realistischer Arbeitsplan. Dieser sollte zu den Klimaschutzzielen der Kommune passen.

Strategie in der Verwaltung verankern und Umsetzungsmodelle finden

Eine PV-Strategie ist keine Aufgabe für eine einzelne Stelle. Das Klimaschutzmanagement kann den Prozess zwar koordinieren, für die Umsetzung braucht es jedoch weitere Fachbereiche. Gebäudemanagement und Bauverwaltung kennen Zustand und Sanierungsplanung der Liegenschaften, die Kämmerei bringt die finanzielle Perspektive ein. Je nach Organisationsstruktur kommen Vergabestelle, Energiemanagement, Liegenschaftsverwaltung oder kommunale Unternehmen hinzu.

Wichtig ist, die Zuständigkeiten früh zu klären: Wer führt die Gebäudeliste und veranlasst statische Prüfungen? Wer bewertet Wirtschaftlichkeit und Betreibermodelle? Wer koordiniert Ausschreibungen und stimmt Projekte mit geplanten Sanierungen ab? Klare Verantwortlichkeiten und verbindliche Zeitpläne verhindern, dass Projekte versanden.

Auch politischer Rückhalt kann den Ausbau unterstützen. Ein Grundsatzbeschluss des Stadt- oder Gemeinderats etwa schafft einen verbindlichen Rahmen; die konkrete Ausgestaltung hängt von den örtlichen Zuständigkeiten und dem jeweiligen Landeskommunalrecht ab.

Für kommunale PV-Projekte kommen vor allem drei Finanzierungs- und Betreibermodelle infrage: Eigeninvestition und Eigenbetrieb durch die Kommune, die Dachverpachtung an einen externen Betreiber – etwa Stadtwerke oder eine Bürgerenergiegesellschaft – sowie die Verpachtung mit anschließender Rückmiete der PV-Anlage. Welche Variante passt, hängt vor allem von den finanziellen Mitteln, den personellen Kapazitäten und dem Stromverbrauch der Kommune ab.

Strategie umsetzen und Wertschöpfung generieren

Ist das Umsetzungsmodell festgelegt, geht es darum, die Projekte in die Praxis zu bringen und – sofern sinnvoll – geeignete Partner einzubinden. Neben Stadtwerken und Energieversorgern kommen dafür beispielsweise Bürgerenergiegenossenschaften, lokale Unternehmen oder andere Dienstleister infrage. Insbesondere die Zusammenarbeit mit Akteuren vor Ort kann dazu beitragen, dass ein Teil der Wertschöpfung in der Region bleibt.

Die Stadt Weimar setzt dafür auf unterschiedliche Betreibermodelle. Auf kommunalen Dachflächen sind inzwischen 29 PV-Anlagen installiert. Neben der Stadt selbst betreiben unter anderem die Stadtwerke und die Energiegenossenschaft Ilmtal Anlagen auf städtischen Gebäuden. Bis Mai 2026 erzeugten die Anlagen zusammen rund 4.080 Megawattstunden Solarstrom; die älteste Anlage ging 2004 ans Netz, zwölf der 29 Anlagen allerdings erst 2024 oder 2025. Die insgesamt erzeugte Strommenge entspricht nach Berechnung der Stadt dem Stromverbrauch von knapp 47 Vier-Personen-Haushalten über den gesamten Zeitraum seit 2004. Außerdem wurden nach Angaben der Stadt etwa 1.500 Tonnen CO₂ vermieden. Weitere kommunale Dachflächen werden bereits auf ihre Eignung geprüft.

Weitere Möglichkeiten sondieren und Erfolge sichtbar machen

Mit der Umsetzung der ersten Anlagen ist die PV-Strategie noch nicht abgeschlossen. Kommunen profitieren davon, regelmäßig zu prüfen, welche Projekte bereits laufen, wo noch Hürden bestehen und welche Dächer als Nächstes erschlossen werden können. So lassen sich Erfahrungen aus der Umsetzung direkt für weitere Vorhaben nutzen.

Wenn die ersten Anlagen laufen, lohnt sich außerdem der Blick darauf, wie sich der erzeugte Strom vor Ort noch besser nutzen lässt. Batteriespeicher können dabei helfen, den Solarstrom flexibler zu nutzen. Ob sich ein Speicher lohnt, hängt davon ab, wie viel Strom das Gebäude wann verbraucht und wie wirtschaftlich die Lösung ist. Perspektivisch können Kommunen außerdem prüfen, ob sich neben Dächern auch Fassaden oder größere Parkflächen für PV-Anlagen eignen. Über Stromerträge, Eigenverbrauch und eingesparte CO₂-Emissionen können Kommunen etwa direkt an den Gebäuden, auf ihrer Website oder in ihrer Öffentlichkeitsarbeit informieren und so die Erfolge des PV-Ausbaus sichtbar machen. Das stärkt die Akzeptanz für den weiteren Ausbau und kann Bürger*innen, Unternehmen und andere Kommunen dazu anregen, selbst PV-Projekte umzusetzen.

Beratung und Unterstützung durch die Agentur für kommunalen Klimaschutz

Bei Fragen zu kommunalen Klimaschutzmaßnahmen unterstützt die Agentur für kommunalen Klimaschutz im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN). Sie berät Kommunen und kommunale Akteure zu Fördermöglichkeiten auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene und bietet Fach- und Vernetzungsveranstaltungen an. Weitere Informationen sowie Publikationen und Arbeitshilfen stellt die Agentur unter klimaschutz.de/agentur bereit. Die kostenfreie Beratungshotline ist montags bis freitags von 9 bis 15 Uhr unter 030 39001-170 erreichbar.

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