25.09.2026 – Lesezeit ca. 10 Minuten 42
Bezahlbare Energie, überlastete Netze, der Boom großer Batteriespeicher, neue Rohstoffprojekte, die Finanzierung der Wärmewende und der steigende Strombedarf von KI-Rechenzentren: Die Jubiläumsausgabe des Ostdeutschen Energieforums greift die Konflikte auf, die die Energiepolitik derzeit bestimmen. Unter dem Leitthema „Sicherheit in unsicheren Zeiten“ kommen am 30. September und 1. Oktober 2026 in Leipzig über 500 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Energiewirtschaft, Industrie, Wissenschaft und Kommunen zusammen.
Nach ihren „„Windmühlen der Schande“ hat die AfD-Bundesvorsitzende Alice Weidel in der jüngsten Haushaltsdebatte des Bundestags energie-populistisch noch einen draufgelegt. In ihrer Rede erklärte sie: "Die sogenannte Energiewende ist verlorenes, verbranntes Geld... Das ist eine energiepolitische Geisterfahrt." Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche werden zu große Nähe zu Lobbyinteressen von Energiekonzernen und fossilen Industrien unterstellt.
Wie beeinflussen Populismus, Lobbyismus, parteipolitische Interessen oder politische Grundsätze eine realistische Klima- und Energiekommunikation? Wie gelingt es, das Thema Energie wieder auf eine pragmatischen Weg zu bringen, im Interesse von Wirtschaft und Verbrauchern?
Zum Abschluss des Forums steht am 1. Oktober eine politische Grundsatzdebatte auf dem Programm. Unter dem Titel „Energiepolitik zwischen Pragmatismus und Populismus: Sind politische Grundsätze Fluch oder Segen für die Energiewende?“ diskutieren der Journalist und Podcaster Paul Ronzheimer und der Politikwissenschaftler Wolfgang Muno diese spannende wie brisante Frage.
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Im Kern geht es um die Frage, wie verlässlich energiepolitische Rahmenbedingungen sein müssen und an welchen Stellen Kurskorrekturen notwendig sind. Die Diskussion soll zeigen, wie Entscheidungen fachlich tragfähig, wirtschaftlich realistisch und gesellschaftlich vermittelbar getroffen werden können.
Der Umbau hin zur Elektromobilität stellt die europäische Automobilindustrie vor enorme wirtschaftliche und strukturelle Herausforderungen. Hohe Investitionen, starker internationaler Wettbewerb und eine bislang verhaltene Nachfrage setzen Hersteller und Zulieferer unter Druck.
Was läuft bei der Energiewende auf der Straße schief? Dieser Frage widmet sich das Spezial-Panel der Zeitschrift SuperIllu „Überfordert die Energiewende die Automobilindustrie?“ Mit dem ehrmaligen Opel-Kommunikationsmanager Harald Hamprecht diskutiert ein ausgewiesene Kenner der Branche. In seinem aktuellen Buch „Kraft statt Krise“ zeichnet er ein ungeschöntes Bild der deutschen Automobilwirtschaft und beschreibt, was notwendig ist, damit die Branche wieder an Wettbewerbsfähigkeit gewinnt.
Auf dem Podium zu Gast sind außerdem Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter, der derzeit um den Erhalt sächsischer Automobilstandorte kämpft, sowie Rico Chmelik, Geschäftsführer des Branchenverbandes Automotive Thüringen e.V.
Hätten Sie es gewusst: Bulgarien gehört weltweit zu den Spitzenreitern bei der Integration von Batteriespeichersystemen in das Stromnetz. Zumindest gemessen an der Wirtschaftsleistung und der Bevölkerungszahl. Das geht aus Angaben des Verbands Europäischer Übertragungsnetzbetreiber (ENTSO-E) und des staatlichen Betreibers (ESO) in Bulgarien hervor. In den Fachmedien wird das Land gern als „Batterie des Balkans“ bezeichnet.
Ungarn hat sich mittlerweile zu einem der europäischen Spitzenreiter in Sachen Solarenergie entwickelt. Mehr als ein Viertel der Stromerzeugung stammte 2025 aus dieser Energiequelle.
Selbst in der von der russischen Invasion gebeutelten Ukraine ist Photovoltaik bereits eine Erfolgsgeschichte. Sie trägt knapp zehn Prozent zur Stromerzeugung bei. Nach dem „European Battery Market Outlook 2026-2030“ von Solarpower Europe installierte das Land 2025 zudem rund 2,9 Gigawattstunden Batteriespeicher. Das war fast fünfmal so viel wie im Jahr davor und bedeutete hinter Deutschland, Großbritannien und Italien Platz vier unter den europäischen Speichermärkten.
Das Ostdeutsche Energieforum weitet deshalb seinen Blick über die deutschen Grenzen hinaus und fragt „Was können wir von Osteuropa für unsere Energiewende lernen?“
Unter dem Motto „Der Energiemix der Zukunft – Sicherheit in unsicheren Zeiten“ richten unter anderem Dr. Christian Ehler, Mitglied des Europäischen Parlaments, EVP-Koordinator im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie, sowie Dr. Frank Umbach, Forschungsleiter des Europäischen Cluster für Klima-, Energie-, und Ressourcensicherheit (EUCERS) an der Universität Bonn, den Blick auf die europäischen Positionen.
Aus der aktuellen Praxis vor Ort berichte László Módos, Country Manager /Head of Development der Renalfa Solarpro Group GmbH. Die Renalfa Solarpro Group GmbH ist in Bulgarien stark im Bereich der erneuerbaren Energien aktiv und entwickelt, baut und betreibt dort Großprojekte für Photovoltaik (PV), Windkraft und Batteriespeicher.
Nach 14.000 Hitzetoten in diesem Sommer fordern SPD-Politiker und Umweltaktivisten, dass Klimaanpassung und Naturschutz als Gemeinschaftsaufgabe im Grundgesetz verankert werden sollen. Themen, die für kommende Generationen immer wichtiger werden.
Die CDU-Position hat Generalsekretärin Franziska Hoppermann kürzlich verkündet: Klimaanpassung und Hitzeschutz sollten nicht als Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern im Grundgesetz verankert werden. Das sei „wohlfeil und bringt nichts“, sagte sie dem SPIEGEL. Bündnis 90/Die Grünen fordern dagegen nachdrücklich, die Klimaanpassung und den Hitzeschutz als dauerhafte Gemeinschaftsaufgabe im Grundgesetz zu verankern.
Auf dem Ostdeutschen Energieforum kommen dazu die Landesvorsitzenden der Jungen Union Sachsen Stefanie Franzl (33) und Heiko Knopf (27), stellvertretender Bundesvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, ins Gespräch.
Ein zentrales Thema des Fachprogramms ist das Verhältnis von Stromnetzen und Speichern. Beide werden dringend benötigt. Vielerorts konkurrieren sie jedoch um dieselben begrenzten Anschlusskapazitäten. Unter dem Titel „Speicherboom und Netzengpässe: Wie werden aus Gegenspielern Verbündete?“ beraten Vertreterinnen und Vertreter der Bundesnetzagentur, von Speicherbetreibern, Energieversorgern und neuen Marktakteuren darüber, wie Netzausbau, Speicherstandorte und politische Vorgaben besser aufeinander abgestimmt werden können. Kontrovers dürfte auch die Debatte über die Versorgungssicherheit werden. Welcher Mix aus erneuerbaren Energien, Speichern, flexiblen Verbrauchern, Gasinfrastruktur und dezentraler Erzeugung hält das Energiesystem stabil, ohne die Kosten aus dem Blick zu verlieren? Auf dem Podium treffen unter anderem Barbie Kornelia Haller, Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur und Vertreter von ENERTRAG, VNG, LEAG, den Leipziger Stadtwerken und der Bundespolitik aufeinander.
Kupfer, Lithium und Zinn sind für die industrielle Zukunft Europas unverzichtbar. Zugleich will Europa seine Abhängigkeit von Rohstoffimporten verringern. Ostdeutschland verfügt über bedeutende Vorkommen und mehrere konkrete Bergbauprojekte. Das Panel „Rohstoffwende Ost“ geht deshalb der Frage nach, welchen Beitrag die Region zur Versorgungssicherheit leisten kann. Zugleich wird darüber gesprochen, wie sich wirtschaftliche Chancen und regionale Wertschöpfung mit Akzeptanz vor Ort und ökologischen Anforderungen verbinden lassen. Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft stellen Projekte aus der Lausitz, dem Erzgebirge und der Altmark in Sachsen-Anhalt vor. Entscheidend wird sein, ob Ostdeutschland künftig nicht allein Rohstoffe liefert, sondern auch Verarbeitung, Forschung, Innovation und neue Arbeitsplätze in der Region hält.
Ein besonderer Programmschwerpunkt gilt der Ansiedlung von Rechenzentren. Ohne leistungsfähige Rechenzentren sind Digitalisierung und der breite Einsatz künstlicher Intelligenz kaum möglich. Gleichzeitig benötigen die Anlagen große Mengen Strom, leistungsfähige Netze, geeignete Flächen und teilweise erhebliche Wasserressourcen. Das Panel „Rechenzentren und Energiewende: Visionen mit Nebenwirkungen“ debattiert, unter welchen Voraussetzungen Ostdeutschland vom KI-Boom profitieren kann. Neben möglichen Gewerbesteuereinnahmen und einer besseren digitalen Infrastruktur geht es um Netzanschlusskosten, Wasserverbrauch, die Nutzung entstehender Abwärme und konkrete Vorteile für die Standortkommunen. Wie unterschiedlich die Erwartungen an solche Investitionen sind, zeigen begleitende Interviews mit den Ministerpräsidenten von Sachsen und Sachsen-Anhalt. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer betont: „Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit sind ganz entscheidend für uns als Industrienation.“ Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze stellt vor allem den regionalen Nutzen heraus: „Wer vor Ort Verantwortung für die Energiewende übernimmt, muss auch vor Ort davon profitieren.“
(Leipzig, 23. September 2026) Im Rahmen des 15. Ostdeutschen Energieforums präsentiert das SpinLab – The HHL Accelerator – sieben innovative junge Unternehmen aus Ostdeutschland. Die vorgestellten Startups zeigen mit frischen Ideen und Technologien, wie Energie und Umwelt zukunftsweisend gestaltet werden können.
Das Spektrum der vorgestellten Innovationen reicht von KI-Software für Biogasanlagenbetreiber über Lösungen für kritische Infrastrukturen bis hin zu neuen Konzepten der Bürgerbeteiligung bei der Energiewende oder Drohnenabwehr.
Skyfall Defence: Drohnenabwehr aus Chemnitz
Drohnenüberflüge über Umspannwerken, Kraftwerken und Netzknoten sind längst Realität, doch viele Abwehrmittel sind in bewohnter Umgebung kaum einsetzbar. Skyfall Defence aus Chemnitz entwickelt ein autonomes, nicht-kinetisches Counter-UAS-System: Kooperierende Abfangdrohnen fangen unerwünschte Drohnen mit einem Netz ein und legen sie kontrolliert ab, ohne Beschuss, ohne Trümmer und ohne Funkstörung.
clever bioTechnologies: KI aus Halle
Das Hallenser Unternehmen clever bioTechnologies hat eine All-in-One-Software für Biogasanlagenbetreiber zur dynamischen Steuerung des Vergärungsprozesses. Durch hybride KI-Modelle und Softsensorik werden Fütterungs- und BHKW-Fahrpläne optimal an Strompreise angepasst.[1]
Flexora: Sensoren aus Dresden
Das Dresdner Hightech-Unternehmen steht für innovative industrielle Sensortechnologien. Mit ultradünnen und flexiblen Sensorfolien ermöglicht das Unternehmen eine großflächige, kontinuierliche und echtzeitfähige Überwachung technischer Anlagen und Maschinen. Das Ergebnis sind mehr Energieeffizienz und Resilienz in Energieanwendungen.[2]
Grow Energy GmbH: Bürgerbatteriespeicher aus Cottbus
Das Unternehmen aus Cottbus entwickelt Energieprojekte in der Lausitz, die Menschen, Kommunen und Unternehmen zusammenbringen. Bürgerbeteiligung ist dabei kein Zusatz, sondern Teil der Projektentwicklung. Der so entwickelte Bürgerbatteriespeicher ist besonders für Stadtwerke interessant.[3]
biddingground: Mehr Professionalität aus Leipzig
Professionelle Energiebeschaffung einfach gemacht, heißt es bei dem Leipziger Unternehmen. Mit biddingground stellen Unternehmen Wettbewerb selbst her, machen Angebote direkt vergleichbar und schaffen die Grundlage für marktgerechte Konditionen.[4]
sektoreins: Vernetzung aus Leipzig
sektoreins ist eine herstellerunabhängige Softwareplattform zur Überwachung, Steuerung und Optimierung von Energie- und Gebäudetechnik. Die Plattform verbindet heterogene Anlagentechnik wie Blockheizkraftwerke, Wärmepumpen, PV-Anlagen, Kessel und Batteriespeicher zu einem einheitlichen System.[5]
Security Robotics: Sicherheit aus Leipzig
Security Robotics entwickelt und integriert autonome Sicherheits- und Inspektionslösungen für Industrie und kritische Infrastrukturen. Dabei verbinden sich mobile Robotik, Drohnen, intelligente Sensorik und KI mit der eigenentwickelten Plattform ACUDA.[6]
Seit dem 30. Juni 2026 müssen Städte mit mehr als 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ihre kommunale Wärmeplanung abgeschlossen haben. Damit ist die erste große Frist erreicht. Der schwierigere Teil beginnt jetzt: Aus Karten, Szenarien und Zielgebieten müssen Investitionsentscheidungen, neue Wärmequellen und verlässliche Angebote für Haushalte und Unternehmen werden.
Ostdeutschland startet mit einem besonderen Vorteil. Fernwärme ist hier deutlich weiter verbreitet als in vielen westdeutschen Regionen. Das 15. Ostdeutsche Energieforum vergleicht unterschiedliche Ausgangslagen: Leipzigs Weg zur klimaneutralen Wärmeversorgung, die Wärmewende in Weißwasser und Hoyerswerda sowie die Transformation des Berliner Wärmesystems.
Vertreterinnen und Vertreter von Stadtwerken und Energieunternehmen diskutieren Fernwärme, Wasserstoff, industrielle Abwärme, Handwerkskapazitäten und soziale Verträglichkeit.
Mit „Spannungsfeld – Der Ostdeutsche Energie Podcast" startet auf dem Ostdeutschen Energieforum erstmals ein eigenes Audioformat. Der Podcast versteht sich als neue mediale Stimme der ostdeutschen Energiewirtschaft und greift künftig regelmäßig die zentralen Themen der Branche auf: Versorgungssicherheit, Netzausbau, Strukturwandel und die Zukunft von Wasserstoff und erneuerbaren Energien in der Region. Produziert wird der Podcast von der Leipziger Podcast-Agentur PodcastPartners in Kooperation mit dem Ostdeutschen Energieforum und dem Unternehmerverband Sachsen. „Spannungsfeld“ ist überall kostenlos zu hören, wo es Podcasts gibt. Startschuss des neuen Podcasts ist am 30. September und 1. Oktober mit einer eigenen Podcast-Lounge, auf der Live-Gespräche mit Gästen des Forums präsentiert werden.[7]