18.09.2026 – Lesezeit ca. 3 Minuten 37
PE 100 Rohre mit einer Gesamtlänge von 660 Metern lieferte SIMONA zur energetischen Nutzung des Wassers für eine Hotelanlage am Tegernsee. Foto: SIMONA AG
Am Tegernsee entsteht derzeit eines der bemerkenswertesten Seethermie-Projekte Deutschlands. Für das neue Quartier „Seegut am Tegernsee“ in Bad Wiessee werden künftig insgesamt 25 Einzelgebäude über thermische Seewassernutzung mit Wärme und Kälte versorgt. Auf dem rund 35.000 Quadratmeter großen Areal entstehen Hotel-, Wohn-, Freizeit- und Veranstaltungsgebäude, deren Energieversorgung auf der Nutzung der im See gespeicherten Umweltenergie basiert.
Die thermische Nutzung von Gewässern gewinnt im Zuge der Energiewende zunehmend an Bedeutung. Insbesondere größere Seen bieten das Potenzial, Wärme und Kälte effizient bereitzustellen und damit einen Beitrag zu klimafreundlichen Versorgungskonzepten zu leisten.
Für die Energieversorgung wird Seewasser aus einer Tiefe von bis zu 40 Metern entnommen und einer Seewasserzentrale an Land zugeführt. Dort erfolgt die energetische Nutzung über Wärmetauscher. Anschließend wird das Wasser über eine separate Leitung in rund 25 Metern Tiefe wieder dem Tegernsee zugeführt.
Der Vorteil dieses Konzepts liegt in den ganzjährig weitgehend konstanten Temperaturen der tieferen Wasserschichten. Dadurch steht eine zuverlässige Energiequelle für die Wärme- und Kälteversorgung der Gebäude zur Verfügung.
Advertising
Für die Verbindung zwischen See und Energiezentrale kamen Druckrohre aus SIMONA® PE 100 zum Einsatz. Die beiden Leitungen wurden mit einem Außendurchmesser von 450 Millimetern und einer SDR-Klasse von 17 ausgeführt. Insgesamt wurden mehr als 660 Meter Rohrleitung verlegt.
Die einzelnen Rohrstangen wurden zunächst an Land mittels Heizelementstumpfschweißen zu langen Rohrsträngen verbunden. Anschließend erfolgte die Verlegung sowohl im Uferbereich als auch auf dem Seegrund. Während die Leitungen im Uferbereich unterirdisch verlaufen, befinden sie sich weiter draußen dauerhaft auf dem Gewässergrund.
Für derartige Anwendungen bietet Polyethylen entscheidende Vorteile. Der Werkstoff ist korrosionsbeständig, langlebig und widerstandsfähig gegenüber den besonderen Belastungen im Unterwasserbereich. Gleichzeitig ermöglichen Schweißverbindungen eine dauerhaft dichte Rohrleitungskonstruktion.
Die Installation der Leitungen stellte hohe Anforderungen an Planung und Ausführung. Da PE-Rohre werkstoffbedingt Auftrieb entwickeln, mussten sie dauerhaft gegen Aufschwimmen gesichert werden. Hierzu wurden entlang der Trasse Betongewichte in regelmäßigen Abständen angebracht, bevor die Leitungen kontrolliert auf den Seegrund abgesenkt wurden.
Die Arbeiten erfolgten während der Wintermonate unter anspruchsvollen Bedingungen. Neben den Taucharbeiten waren umfangreiche Maßnahmen zur Positionierung der Leitungen sowie zum Schutz des Gewässers erforderlich. Die Verlegung umfasste sowohl Arbeiten an Land als auch in größeren Wassertiefen.
Projekte zur thermischen Nutzung von Seen stehen und fallen mit einer sicheren und langlebigen Leitungsinfrastruktur. Die Rohrleitungen bilden die Verbindung zwischen Energiequelle und technischer Nutzung und übernehmen damit eine zentrale Funktion für die Funktionsfähigkeit des Gesamtsystems.
Das Projekt am Tegernsee zeigt, wie moderne PE-Rohrsysteme die Erschließung regenerativer Energiequellen auch unter anspruchsvollen Bedingungen ermöglichen. Die Kombination aus Tiefenwasserfassung, Unterwasserverlegung und langlebiger Kunststoffrohrtechnik schafft die Grundlage für eine nachhaltige Wärme- und Kälteversorgung und verdeutlicht das Potenzial von Gewässern als lokale Umweltenergiequelle.