Rubrik Bau(en) & Städtegestaltung
08.07.2026 – Lesezeit ca. 5 Minuten 65
Starkregen, Hitzeperioden und sinkende Grundwasserstände verändern die Anforderungen an kommunale Verkehrs- und Freiflächen. Plätze, Parkflächen, Straßen und Wege sollen dauerhaft, sicher und wirtschaftlich funktionieren. Zugleich wächst die Notwendigkeit, Regenwasser vor Ort zu halten, Kanalnetze zu entlasten und befestigte Flächen stärker in den natürlichen Wasserkreislauf einzubinden. Für Einsatzbereiche mit geringer Verkehrsbelastung können versickerungsfähige Pflasterklinkerflächen hier einen wertvollen Beitrag leisten.
Pflasterklinker sind ein bewährter keramischer Baustoff für dauerhaft genutzte Außenflächen. Sie werden aus Ton gebrannt, sind farb- und lichtecht, frostbeständig und widerstandsfähig. Bei fachgerechtem Rückbau können sie wiederverwendet oder recycelt werden. Die Vielfalt an Farben, Formate und Verlegemustern ermöglicht differenzierte Gestaltungen für Straßenräume, Plätze, Parkflächen und Wegen.
Werden Pflasterklinkerflächen versickerungsfähig geplant, kommt eine wasserwirtschaftliche Funktion hinzu: Je nach System und Aufbau können 50 bis 70 % der Regenmenge durch die Flächenbefestigung hindurch versickern. Das reduziert den Oberflächenabfluss, entlastet die Kanalisation, unterstützt die Grundwasserneubildung und trägt dazu bei, Abflussspitzen bei Starkregen zu verringern. Im Boden gespeichertes Regenwasser kann teilweise verdunsten und so zur Verbesserung des Mikroklimas beitragen. Je nach örtlicher Gebührensatzung können versickerungsfähige Flächen zudem bei der Niederschlagswassergebühr günstiger bewertet werden.
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Wichtig für Ausschreibung und Planung ist die klare fachliche Abgrenzung: Eine ungebunden hergestellte Pflasterklinkerfläche gilt nicht automatisch als versickerungsfähig. Versickerungsfähige Pflasterklinkerflächen sind eine Sonderbauweise mit spezifischen Anforderungen an Aufbau, Material, Wasserdurchlässigkeit und Entwässerung. Entscheidend ist das Zusammenwirken von Pflasterdecke, Fugen oder Sickeröffnungen, Bettung, Tragschicht, Untergrund, Unterbau und Wasserableitung. Damit die Fläche dauerhaft funktioniert, müssen alle Schichten so aufeinander abgestimmt sein, dass Niederschlagswasser aufgenommen und weitergeleitet werden kann.
Für versickerungsfähige Pflasterklinkerflächen stehen zwei Systemansätze zur Verfügung: Flächen mit dauerhaft aufgeweiteten Fugen und Systeme mit Sicker- oder Drainklinkern.
Bei der Verlegung mit dauerhaft aufgeweiteten Fugen (15-30 mm) gelangt das Niederschlagswasser über die Fugen die Flächenbefestigung. Maßgeblich sind deshalb Fugenbreite, Fugenanteil sowie ein geeignetes Fugen- und Bettungsmaterial.
Sicker- oder Drainklinker sind Pflasterklinker mit Öffnungen oder Aussparungen im oder am Klinker, durch die Wasser in den Oberbau und weiter in den Untergrund gelangen kann. Die Hohlräume werden ebenfalls mit versickerungsfähigen Gesteinskörnungen verfüllt. Zu dieser Gruppe zählen zum Beispiel Rasenlochklinker, Dränpflasterklinker, Sternklinker oder Pflasterklinker mit Sickerschächten.
Versickerungsfähige Pflasterklinkerflächen eignen sich für gering belastete Verkehrsflächen bis zur Belastungsklasse Bk0,3 nach RStO sowie für Geh- und Radwege und sonstige unbefahrene Flächen. Infrage kommen hier Park- und Stellplatzflächen, Parkbuchten, verkehrsberuhigte Bereiche, gering belastete Platzflächen, Fußgängerbereiche mit eingeschränktem Liefer- und Anliegerverkehr sowie wenig befahrene Wohn- und Anliegerstraßen.
Vor der Ausführung ist der Standort sorgfältig zu prüfen. Der Untergrund muss ausreichend wasserdurchlässig sein, damit sich Niederschlagswasser nicht dauerhaft im Oberbau staut. Zu berücksichtigen sind Filterwirkung des Bodens, Abstand zum Grundwasser, Lage außerhalb von Wasserschutzgebieten, Flächengefälle und spätere Nutzung. Auf Sickerpflasterflächen dürfen keine Taumittel eingesetzt werden. Auch Flächen, auf denen mit wassergefährdenden Stoffen umgegangen wird, sind für diese Bauweise nicht geeignet.
Bei Planung, Vergabe und Ausführung sollten Kommunen die einschlägigen Regelwerke und Technischen Lieferbedingungen berücksichtigen. Für versickerungsfähige Verkehrsflächen ist insbesondere das FGSV-Merkblatt für Versickerungsfähige Verkehrsflächen (M VV) heranzuziehen. Für Pflasterdecken sind zudem die ATV DIN 18318 und die ZTV Pflaster-StB 20 relevant; die RStO ist Grundlage für Belastungsklasse und Oberbaudimensionierung. Anforderungen an Baustoffe und Gesteinskörnungen ergeben sich unter anderem aus den TL Pflaster-StB und den TL Gestein-StB. Ausschreibungen sollten die Sonderbauweise eindeutig beschreiben: System, Materialanforderungen, Belastungsklasse, Durchlässigkeitsanforderungen, Entwässerungskonzept sowie Nachweise zur Wasserdurchlässigkeit.
Durch Schmutzeintrag können Fugen oder Sickeröffnungen im Laufe der Nutzungsdauer an Wasserdurchlässigkeit verlieren. Reinigung, Kontrolle und gegebenenfalls das Nachfüllen von Fugenmaterial sollten deshalb bereits in der Planung mitgedacht werden. Eine klare Zuständigkeit für Reinigung, Unterhaltung und Pflege ist gerade bei kommunalen Flächen Teil der Wirtschaftlichkeit.
Versickerungsfähige Pflasterklinkerflächen sind ein wirksamer Baustein für klimaangepasste Freiräume. Richtig geplant und am passenden Standort eingesetzt, verbinden sie Regenwassermanagement, Dauerhaftigkeit und Gestaltung.
Weitere Informationen bietet die Broschüre „Technische Informationen – Klinkerpflaster“ der Arbeitsgemeinschaft Pflasterklinker e.V., die unter pflasterklinker.de zum kostenlosen Download zur Verfügung steht.
Die Arbeitsgemeinschaft Pflasterklinker e.V. ist zudem vom 15. bis 18. September 2026 auf der GaLaBau in Nürnberg vertreten. Besucherinnen und Besucher finden sie am Stand 2.507 in Halle 2.