Rubrik Energie & Netze

EEG-Entwurf gefährdet jede vierte kleine Wasserkraftanlage in Mitteldeutschland

26.05.2026 – Lesezeit ca. 2 Minuten 161

Eine Auswertung zeigt: Im Verbandsgebiet Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind rund 600 aktive EEG-Wasserkraftanlagen registriert. Davon liegen etwa 25 % der Anlagen unterhalb der Schwelle von 25 kW installierter EEG-Leistung. Damit wäre jede vierte EEG-Wasserkraftanlage im mitteldeutschen Verbandsgebiet von der geplanten Regelung betroffen. Besonders deutlich ist die Lage in Thüringen: Dort fallen mehr als 2/3 der aktiven EEG-Wasserkraftanlagen unter 25 kW.

„Die pauschale 25-kW-Grenze wird der Wasserkraft nicht gerecht“, erklärt Dipl.-Ing. Martin Richter, Präsident des Wasserkraftverbandes Mitteldeutschland. „Kleine Wasserkraftanlagen sind keine beliebigen Kleinstanlagen. Sie liefern planbar, stetig und netzdienlich Strom. Wer allein auf die installierte Leistung schaut, übersieht die Jahresarbeit, die Verfügbarkeit und den regionalen Systemwert dieser Anlagen.“

Im mitteldeutschen Verbandsgebiet ist die Wasserkraft überwiegend mittelständisch, regional und historisch gewachsen. Viele Anlagen werden von Familienbetrieben, Mühlenstandorten, Handwerksbetrieben oder lokalen Unternehmen betrieben. Sie erzeugen kontinuierlich erneuerbaren Strom, häufig seit Jahrzehnten, und tragen zugleich zum Erhalt technischer Kulturlandschaften, wasserbaulicher Infrastruktur und dezentraler Wertschöpfung bei.

Advertising

Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Link zur kostenlosen PDF Ausgabe der Kommunalwirtschaft!

Gerade kleine Wasserkraftanlagen speisen nicht wetter- oder tageszeitabhängig ein, sondern leisten rund um die Uhr einen Beitrag zur Versorgungssicherheit. Sie stabilisieren regionale Netze, reduzieren Abhängigkeiten und stärken die Resilienz der Energieversorgung vor Ort. Dieser systemdienliche Wert wird im aktuellen Förderdesign nicht angemessen berücksichtigt.

Der geplante Förderstopp würde den betroffenen Anlagenbetreibern die wirtschaftliche Perspektive für Modernisierung, Reaktivierung und Weiterbetrieb kleiner Anlagen erheblich erschweren. Genau diese Investitionen sind jedoch notwendig, um Wasserkraftstandorte technisch, ökologisch und energiewirtschaftlich weiterzuentwickeln. Ohne verlässlichen Rahmen drohen ausbleibende Sanierungen, schleichende Stilllegungen und der Verlust einer seit Generationen bestehenden erneuerbaren Infrastruktur.

„Mitteldeutschland braucht nicht weniger, sondern mehr verlässliche heimische Energieerzeugung“, so Richter. „Wer Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Klimaschutz ernst nimmt, darf die kleine Wasserkraft nicht aus dem EEG drängen. Besonders in Mitteldeutschland zeigt sich, dass die 25-kW-Schwelle tief in die bestehende Anlagenstruktur eingreift.“

Der Wasserkraftverband Mitteldeutschland fordert daher, den vorgesehenen Förderstopp für Wasserkraftanlagen unter 25 kW aus dem EEG-Entwurf zu streichen. Statt pauschaler Leistungsgrenzen braucht es eine technologieangemessene Bewertung, die Jahresarbeit, Verfügbarkeit, Netzdienlichkeit und regionale Infrastrukturwirkung der Wasserkraft berücksichtigt.

Felslabor für Geothermie im Odenwald: Nächster Schritt für GeoLaB
Felslabor für Geothermie im Odenwald: Nächster Schritt für GeoLaB

Die Tromm-Region im Odenwald erfüllt die geologischen Voraussetzungen für ein Untertage-Forschungslabor zur Geothermie. Das zeigen die Ergebnisse einer intensiv[...]

04.05.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

energie
Windenergie: 10.000 Megawatt für Baden-Württemberg und Bayern
Windenergie: 10.000 Megawatt für Baden-Württemberg und Bayern

Windparks in Süddeutschland haben bei den Ausschreibungen der Bundesnetzagentur derzeit das Nachsehen. Zuschläge für die Vergütung bekommen in der Regel nur nor[...]

04.05.2026, Lesezeit ca. 6 Minuten

energie
Windenergie im kommunalen Wald: erweiterte Spielräume für Haushalt und Klimaschutz
Windenergie im kommunalen Wald: erweiterte Spielräume für Haushalt und Klimaschutz

Knappe Kassen und ambitionierte Klimaziele stellen Kommunen vor eine doppelte Herausforderung. Windprojekte auf kommunalen Waldflächen können dazu beitragen, be[...]

29.04.2026, Lesezeit ca. 5 Minuten

energie
EnWG-Novelle: Widersprüchliche Regeln gefährden geordneten Gasausstieg

Am Donnerstag berät der Bundestag über den Gasausstieg in deutschen Kommunen. Stadtwerke und Gasnetzbetreiber sollen einem Gesetzesentwurf zufolge ab sofort pla[...]

28.04.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

energie
EEG-Pläne bedrohen Solar-Ausbau und Arbeitsplätze
EEG-Pläne bedrohen Solar-Ausbau und Arbeitsplätze

Bundesverband Solarwirtschaft fordert Überarbeitung des Gesetzesentwurfs zum Erneuerbare-Energien-Gesetz / Nicht einmal jeder zehnte Bundesbürger unterstützt di[...]

28.04.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

energie
Modul 1: Energiekosten senken durch intelligente Heizungssteuerung in kommunalen Gebäuden
Modul 1: Energiekosten senken durch intelligente Heizungssteuerung in kommunalen Gebäuden

Die Landesenergie- und Klimaschutzagentur Mecklenburg-Vorpommern (LEKA MV) bietet am 5. Mai 2026 von 16:30 bis 17:45 Uhr eine kostenfreie Online-Schulung für Ko[...]

22.04.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

energie
Leitfaden für die Praxis: Wärmeversorgungskonzepte mit oberflächennaher Geothermie in urbanen Bestandsquartieren

Ein neuer Praxis-Leitfaden der Stiftung Umweltenergierecht und ihrer Projektpartner zeigt, wie Wärmeversorgungskonzepte mit oberflächennaher Geothermie in urban[...]

17.04.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

energie
Florian Roos wird neuer CEO der ISOPLUS Group
Florian Roos wird neuer CEO der ISOPLUS Group

Die ISOPLUS Group, führender europäischer Hersteller vorgedämmter Rohrsysteme für Nah- und Fernwärme, hat Florian Roos zum Chief Executive Officer berufen. In d[...]

17.04.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

energie
Bekräftigung Ausbau Erneuerbarer Energien ist richtig: Elektrifizierung senkt Energiebedarf

Zu den von der Bundesregierung vorgestellten Ergebnissen des Koalitionsausschusses, erklärt Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung: „Wir u[...]

16.04.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

energie
Strukturwandel im Revier: Helmstedt gestaltet die Energiewende

Die Agentur für Erneuerbare Energien e. V. (AEE) zeichnet die Stadt Helmstedt als Energie-Kommune des Monats April 2026 aus. Die niedersächsische Stadt steht ex[...]

15.04.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

energie

Weitere Artikel in dieser Rubrik