29.07.2026 – Lesezeit ca. 5 Minuten 32
Lösungen für Raumluft und energieeffiziente Klimatechnik gehören zu den zentralen Themen der ISH 2027. (Foto: Messe Frankfurt Exhibition GmbH / Petra Welzel)
Schulen, Verwaltungsgebäude, Sportstätten und Schwimmbäder bilden das Rückgrat der öffentlichen Infrastruktur in Europa. Gleichzeitig stehen viele dieser Gebäude vor einem grundlegenden Modernisierungsbedarf: Ein großer Teil stammt aus den 1960er- bis 1980er-Jahren und entspricht heute weder energetisch noch funktional den aktuellen Anforderungen.
Mit der überarbeiteten EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) steigen die Anforderungen an die Modernisierung öffentlicher Gebäude deutlich. Trotz verschärfter europäischer Vorgaben schreitet die Modernisierung vieler Bestandsgebäude weiterhin langsam voran: Noch immer gelten rund drei Viertel des europäischen Gebäudebestands als energieineffizient, die jährliche Sanierungsrate liegt bei etwa einem Prozent. (World Green Building Council / EPBD Factsheet 2025).
Für Kommunen wächst damit der Druck, ihre Gebäude langfristig energieeffizienter, wirtschaftlicher und nutzerorientierter weiterzuentwickeln. Gleichzeitig verändern sich die Anforderungen innerhalb der Gebäude selbst. Neben Energieeffizienz rückt zunehmend die Qualität der Innenräume in den Fokus. Öffentliche Gebäude sollen heute nicht nur ressourcenschonend betrieben werden, sondern auch gesunde, komfortable und leistungsfördernde Umgebungen schaffen.
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Aspekte wie Luftqualität, thermischer Komfort, Akustik und intelligente Gebäudesteuerung werden dabei immer stärker als Teil einer ganzheitlichen Nutzerqualität betrachtet – insbesondere in Schulen, Verwaltungsgebäuden und stark frequentierten öffentlichen Einrichtungen. „Die Anforderungen an öffentliche Gebäude haben sich deutlich erweitert. Neben der Energieeffizienz stehen heute auch Innenraumqualität, intelligente Steuerung und das Sicherstellen einer nachhaltigen, langfristigen Betriebsfähigkeit im Fokus. Gerade im Bestand sind dafür integrierte und flexibel nachrüstbare Lösungen entscheidend.“ Frank Ernst, Geschäftsführer, Fachverband Gebäude-Klima e. V. (FGK)
Gleichzeitig verändert sich der Blick auf öffentliche Gebäude grundlegend. Sie werden zunehmend nicht mehr nur unter energetischen Gesichtspunkten betrachtet, sondern als Räume, die Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit aktiv unterstützen sollen. Mit dieser Entwicklung gewinnen europaweit auch Themen wie Innenraumqualität, Nutzerkomfort und resiliente Gebäudekonzepte an Bedeutung.
„Die Qualität von Innenräumen entwickelt sich europaweit zu einem zentralen Bestandteil nachhaltiger Gebäudeplanung – nicht zuletzt durch die Anforderungen der überarbeiteten EU-Gebäuderichtlinie (EPBD). Energieeffizienz allein reicht heute nicht mehr aus, um den steigenden Anforderungen an gesunde Gebäude gerecht zu werden. Öffentliche Gebäude müssen gleichzeitig gesunde, komfortable und resiliente Umgebungen schaffen und dabei den Herausforderungen steigender Energiekosten begegnen.“ REHVA, Europäischer Dachverband der Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnikverbände.
Die Modernisierung öffentlicher Gebäude muss dabei häufig im laufenden Betrieb erfolgen. Maßnahmen müssen so konzipiert werden, dass Unterricht, Verwaltungsbetrieb oder öffentliche Nutzung parallel weiterlaufen können. Gleichzeitig treffen unterschiedliche Bauzustände und technische Systeme innerhalb eines Gebäudes aufeinander, was die Planung zusätzlich komplex macht. Hinzu kommen begrenzte Budgets, komplexe Genehmigungsverfahren und lange Projektlaufzeiten. Vor diesem Hintergrund gewinnt die schrittweise Sanierung an Bedeutung. Einzelne Gewerke werden modernisiert, technische Systeme ergänzt und Gebäude über längere Zeiträume hinweg weiterentwickelt. Entscheidend ist dabei, dass Lösungen ineinandergreifen, flexibel einsetzbar sind und sowohl technisch als auch wirtschaftlich tragfähig bleiben.
Auf der ISH 2027 wird sichtbar, wie technische Lösungen heute zusammenspielen müssen, um öffentliche Gebäude Schritt für Schritt zu modernisieren. Die Weltleitmesse für Wasser, Wärme und Luft bündelt Technologien, die sich gezielt in bestehende Gebäude integrieren lassen – und zeigt, wie sich einzelne Maßnahmen zu funktionierenden Gesamtlösungen verbinden.
Ein zentraler Hebel in der Sanierung ist die Energieversorgung. Im Lösungsfeld „Wärmeerzeugung“ werden Systeme gezeigt, die den Austausch veralteter Heiztechnik ermöglichen und eine schrittweise Umstellung auf effizientere und erneuerbare Energieträger unterstützen auch unter den Bedingungen bestehender Gebäude. Parallel dazu rückt die Qualität der Innenräume stärker in den Fokus. Im Lösungsfeld „Raumluft“ geht es um Konzepte, die die Luftqualität gezielt verbessern und sich gleichzeitig in Bestandsgebäude integrieren lassen.
Auch stark frequentierte Bereiche stellen besondere Anforderungen an die Modernisierung. Das Lösungsfeld „Sanitärräume“ zeigt Lösungen für langlebige, hygienische und wirtschaftliche Ausstattungskonzepte. Im Sonderareal „Pools & Spas“ werden zudem Anwendungen für Schwimmbäder sichtbar, bei denen Wasserqualität, Energieeinsatz und Betrieb eng miteinander verzahnt sind.
Mit zunehmender Komplexität der Gebäude wird zudem die systematische Planung und Steuerung wichtiger. Im Lösungsfeld „Software“ werden digitale Innovationen präsentiert, die helfen, den Gebäudebestand zu analysieren, Maßnahmen zu priorisieren und Sanierungsprozesse strukturiert zu steuern. Darauf aufbauend zeigt das Lösungsfeld „Intelligente Gebäudesteuerung“, wie sich technische Anlagen im laufenden Betrieb vernetzen und optimieren lassen. Automatisierte Prozesse tragen dazu bei, Energieverbräuche zu senken, Abläufe zu stabilisieren und gleichzeitig den Komfort für Nutzerinnen und Nutzer zu verbessern.
Die ISH macht damit deutlich, dass die Modernisierung öffentlicher Gebäude kein Einzelprojekt ist, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Sie zeigt, wie sich technische Lösungen so kombinieren lassen, dass sie den Betrieb sichern, Ressourcen schonen und langfristig tragfähige Strukturen schaffen.
Flankiert wird die ISH 2027 von einem vielseitigen Rahmenprogramm mit Fachvorträgen, Konferenzformaten und Expertentreffpunkten. Im Mittelpunkt stehen aktuelle Entwicklungen in den Bereichen Gebäudetechnologie, Wasser und Raumluft sowie der Austausch zu praxisnahen Ansätzen für die Weiterentwicklung des Gebäudebestands.