Rubrik Müll / Entsorgung / Recycling

Deutscher Abbruchverband nimmt Stellung zum Aktionsprogramm zur Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS)

Kreislaufwirtschaft beginnt nicht beim Recycling, sondern beim Rückbau

09.06.2026 – Lesezeit ca. 3 Minuten 49

Der Deutsche Abbruchverband e. V. (DA) begrüßt die heute erfolgte Verabschiedung des Aktionsprogramms zur Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie im Bundeskabinett als wichtigen Schritt zur Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie und zur Anerkennung der zentralen Rolle des selektiven Rückbaus für zirkuläres Bauen.

„Wer über Kreislaufwirtschaft spricht, muss auch über den Rückbau sprechen. Denn die Qualität zukünftiger Stoffkreisläufe entscheidet sich bereits beim Rückbau von Gebäuden und Infrastrukturen“, erklärt Andreas Pocha, Geschäftsführer des Deutschen Abbruchverbandes in Köln. Gebäude und Infrastrukturen bilden die größte urbane Rohstoffreserve Deutschlands. Damit Materialien wiederverwendet oder hochwertig recycelt werden können, müssen sie vor dem Rückbau identifiziert, getrennt erfasst und schadstofffrei ausgebaut werden.

In diesem Zusammenhang begrüßt der DA die Berücksichtigung der Rückbaufähigkeit von Bauwerken. Es sollten verbindliche Anforderungen zur selektiven Rückbaufähigkeit, Reparierbarkeit, Wiederverwendbarkeit sowie Recyclingfähigkeit von Bauwerken, Bauteilen und Baustoffen dafür sorgen, dass die öffentliche Hand Ressourcenschonung, Langlebigkeit und Weiternutzung bereits bei der Bedarfsermittlung berücksichtigt.

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Der DA begrüßt darüber hinaus die Investitions- und Förderzusagen sowie die geplanten Maßnahmen zur Digitalisierung von Stoffströmen sowie zur Stärkung zirkulärer Märkte („Digitalisierungsinitiative“).

„Digitale Informationen über Materialien und Gebäudebestände können helfen, wertvolle Rohstoffe länger im Kreislauf zu halten. Entscheidend ist jedoch, dass diese Informationen auch praktisch nutzbar werden und zu einer höheren Wiederverwendung und einem besseren Recycling führen“, so Pocha.

Der Verband sieht insbesondere in der Wiederverwendung von Bauteilen und dem Recycling mineralischer Baustoffe große Potenziale zur Ressourcenschonung und Rohstoffsicherung. Das Aktionsprogramm erkennt an, dass Kreislaufwirtschaft zunehmend auch eine Frage der Rohstoffsicherung ist und zeigt Wege auf, wie die Potenziale der urbanen Mine künftig stärker genutzt werden können.

Gleichzeitig weist der Deutsche Abbruchverband darauf hin, dass hochwertige Kreislaufwirtschaft nur mit einer frühzeitigen Schadstofferkundung und einem selektiven Rückbau möglich ist. „Kreislaufwirtschaft braucht saubere Materialströme. Schadstofffreiheit, Transparenz und Qualität sind die Grundlage jeder erfolgreichen Wiederverwendung und jedes hochwertigen Recyclings“, betont Katrin Mees, Leiterin des Berliner DA-Büros.

Die im Aktionsprogramm enthaltene Zusage der Bundesregierung, sich auf EU-Ebene für ein ambitioniertes, aber gleichzeitig bürokratiearmes europäisches Kreislaufwirtschaftsgesetz (Circular Economy Act) einzusetzen, das bestehendes Kreislaufwirtschaftsrecht weiterentwickelt, ist als positiv zu bewerten.

Fazit des DA

Das Aktionsprogramm setzt grundsätzlich wertvolle Akzente und erkennt die Notwendigkeit eines Zusammenspiels zwischen innovationsorientierter Umweltpolitik und strategischer Rohstoff- und Industriepolitik an. Es kann die Kreislaufwirtschaft in Deutschland entscheidend voranbringen – seine tatsächliche Wirkung hängt jedoch davon ab, ob es gelingt, die Handlungsfelder in greifbare Fortschritte zu übersetzen. Denn der Schlüssel liegt nicht bloß im Erfahrungsaustausch und in Pilotprojekten, sondern in der praktischen Ausgestaltung von Vergabe, Regulierung und Marktbedingungen.

Der DA wird die Umsetzung des Aktionsprogramms konstruktiv begleiten und sich weiterhin dafür einsetzen, dass die Potenziale der urbanen Mine stärker genutzt und hochwertige Sekundärrohstoffe in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt werden.

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