Wärmepreise der Fernwärmenetze mit Tiefengeothermie in Deutschland am 1. Oktober 2026, Einfamilienhaus, 24 Netze im Vergleich zum Bundesschnitt . (Grafik: Praxisforum Tiefengeothermie)
Die Heizkosten in Deutschland steigen wieder. Laut dem „Heizspiegel 2026“, den die
gemeinnützige Beratungsgesellschaft co2online am 22. September veröffentlicht hat, zahlen Haushalte in
einer 70-Quadratmeter-Wohnung mit Ölheizung in diesem Jahr voraussichtlich 24 Prozent mehr als im
Vorjahr. Nutzen sie eine Pelletheizung, müssen die Haushalte eine Preissteigerung von 17 Prozent tragen,
im Einfamilienhaus sind es sogar 28 und 23 Prozent. Auch Wärmepumpen (plus 3 Prozent) und Fernwärme
im Bundesdurchschnitt (plus 1 Prozent) werden teurer. Dass Gasheizungen in diesem Jahr etwas günstiger
werden (minus 4 Prozent), liegt vor allem am Wegfall der Gasspeicherumlage. Stabil bleibt dagegen die
Fernwärme aus Tiefengeothermie: Die neue Marktanalyse des Praxisforums Tiefengeothermie, das am
Mittwoch, 14. Oktober 2026, beginnt, umfasst erstmals alle Wärmenetze mit Tiefengeothermie in
Deutschland. Sie zeigt: Diese Netze sind im Mittel rund 16 Prozent günstiger als der Bundesschnitt, und der
erste Trend zeigt, dass ihre Preise für die Heizperiode 2026/27 fast unverändert bleiben.
Erstmals bundesweit: 20 von 24 Netzen unter dem Bundesschnitt
Das Praxisforum Tiefengeothermie hat in diesem Jahr erstmals Fernwärmenetze in ganz Deutschland
analysiert. Von den 45 Tiefengeothermie-Anlagen, die bundesweit in Betrieb sind, speisen 30 ein Fern- oder
Nahwärmenetz – in Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und RheinlandPfalz. Ausgewertet hat das Praxisforum 24 dieser Netze, für die Preise veröffentlicht sind. Im Bundesschnitt aller Fernwärmenetze kostet die Wärme für ein Einfamilienhaus mit 27.000 Kilowattstunden (kWh) Jahresverbrauch laut der Preistransparenzplattform der Fernwärmebranche 17,3 Cent pro kWh,
ausgewertet über knapp 700 Netze. Die Netze mit Tiefengeothermie liegen im Mittel bei 14,5 Cent und
damit rund 16 Prozent darunter; 20 der 24 Netze sind günstiger als der Bundesschnitt. „Wo
Tiefengeothermie im Netz ist, zahlen die Menschen weniger und haben stabile Preise – beides zusammen
bietet derzeit keine andere Heizungsart“, sagt Dr. Jochen Schneider, Geschäftsführer der Agentur
Enerchange und Veranstalter des Praxisforums.
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Ganz ohne fossile Energie kommen die Netze dabei meist nicht aus: Für die Spitzenlast an sehr kalten Tagen und als Reserve setzen die Betreiber zusätzlich Erdgas oder Heizöl ein. In zehn Netzen stammen aber mindestens 80 Prozent der Wärme aus Tiefengeothermie und anderen erneuerbaren Quellen. „Je mehr Wärme aus der Tiefe kommt und je seltener zugeheizt werden muss, desto günstiger und stabiler ist der Preis“, erklärt Dr. Jochen Schneider.
Erster Trend: neun Netze mit neuen Preisen
Im Februar 2026 veröffentlichte das Praxisforum die vollständige Marktanalyse für die Heizperiode 2025/26 für geothermische Fernwärme in Bayern. Mit der bundesweiten Ausweitung hat das Praxisforum auch die Berechnungsmethode überprüft und einzelne Vorjahreswerte korrigiert; der Vergleich bezieht sich deshalb auf die bereinigten Preise 2025/26. Jetzt zeichnet sich der Trend für 2026/27 ab: Von den 18 Netzen, deren Preise die Marktanalyse seit mehreren Jahren verfolgt, haben bis Anfang Oktober neun Betreiber neue Preise veröffentlicht. Für das Einfamilienhaus ändern sich die Preise in diesen Netzen im Schnitt um plus 0,1 Prozent. „Während Öl und Pellets wieder deutlich teurer werden, bleibt die Erdwärme stabil. Genau diese Planbarkeit brauchen Haushalte und Kommunen“, sagt Dr. Jochen Schneider.
Während Öl und Pellets wieder deutlich teurer werden, bleibt die Erdwärme stabil“, sagt der Veranstalter des Praxisforums Tiefengeothermie, Dr. Jochen Schneider. (Foto: Jochen Schneider)
Erding am stärksten gesunken, Münchner Stadtnetz teurer
Fünf Netze werden günstiger: Am deutlichsten sinken die Preise in Erding (minus 7,3 Prozent, rund 320
Euro weniger im Jahr), gefolgt von Unterföhring (minus 2,1 Prozent), Grünwald (minus 1,7 Prozent),
Oberhaching (minus 1,6 Prozent) und Unterhaching (minus 0,3 Prozent). Teurer werden das Münchner
Stadtnetz der Stadtwerke München, das nur zum Teil aus Tiefengeothermie gespeist wird (plus 6,7
Prozent), Pullach (plus 4,9 Prozent), Garching (plus 2,0 Prozent) und Poing (plus 0,4 Prozent). Die übrigen
neun Netze haben für 2026/27 bislang keine neuen Preise veröffentlicht.
CO₂-Preis: Atempause auf Zeit
Der CO₂-Preis für Heizöl und Erdgas liegt 2026 in einem Korridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne; nach einem Gesetzentwurf der Bundesregierung soll derselbe Korridor auch 2027 gelten. Ab 2028 greift dann der
europäische Emissionshandel für Wärme und Verkehr, für den Fachleute Einstiegspreise von 50 bis 75 Euro,
möglicherweise bis 120 Euro pro Tonne erwarten. Bis 2045 könnten sich die Heizkosten für Gas- und
Ölheizungen laut Heizspiegel mehr als verdoppeln. „Die Atempause beim CO₂-Preis ist geliehen. Wer auf
Wärme aus der Tiefe setzt, macht sich unabhängig von Brennstoffmärkten und CO₂-Preisen“, sagt Dr.
Jochen Schneider.
„Sehr gute Bedingungen für eine erfolgreiche Wärmewende“
Bis zu 25 Prozent des gesamten Wärmebedarfs in Deutschland können laut der „Roadmap Tiefe
Geothermie für Deutschland“ aus der Erdwärme gewonnen werden – mit hoher Umweltverträglichkeit, bei
jedem Wetter und unabhängig von weltpolitischen Entwicklungen. „Vom Alpenvorland über den
Oberrheingraben bis ins Norddeutsche Becken sind die Bedingungen für eine erfolgreiche Wärmewende
sehr gut“, erklärt Dr. Jochen Schneider. Die vollständige Marktanalyse mit allen Netzen für die Heizperiode 2026/27 veröffentlicht das Praxisforum, sobald alle Preise vorliegen, voraussichtlich im Februar 2027.
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